Caught by the river

 

(Geplante) Wiedersehen

Luke war sich ziemlich sicher, dass es ihm recht gut gelungen war möglichst unentdeckt zu bleiben. Sein Atem ging unheimlich ruhig und seine Schritte waren zielstrebig aber doch so ausgerichtet, dass man eigentlich nicht merken sollte auf was er es genau abgesehen hatte. Und obwohl er nach Außen hin selbstbewusst und ausgeglichen schien, legte sich etwas um sein Herz, als griffe eine eiskalte Hand danach und es pochte gegen seine Schläfen, sodass er kaum die Geräusche der Umgebung wahrnehmen konnte. Er ging zwar vorwärts und doch hatte er das Gefühl nicht voranzukommen.

„Wohin gehen wir?“, getraute sich Marissa das Wort an ihren Peiniger zu richten, denn auch ihr war nicht die Anwesenheit ihres alten Freundes entgangen und nun fürchtete sie mehr als alles andere, dass es ihm nicht gelingen würde, dass sie weiterhin hier bleiben musste, dass es keine Hoffnung gab.
Die Antwort fiel ziemlich kläglich aus. Volchok sprach noch immer kein Wort.

Ein ungutes Gefühl nahm Luke mehr und mehr ein und er glaubte schon nicht mehr daran sein Ziel jemals zu erreichen. Er achtete weder auf den Straßenverkehr noch auf die vielen Passanten die ihm entgegenkamen. Hastig schritt er voran, da auch Volchok an Tempo zugelegt hatte und langsam in dem Menschenmeer unterzugehen drohte. Seit wann waren so viele Menschen erpicht auf einen kleinen Spaziergang am Hafen?
In dem Moment verlor er Kevin entgültig aus den Augen und begann nun zu rennen so schnell er es noch vermochte. Keuchend und schwitzend bog er in die Seitengasse ein, in der er die zwei vermutete. Plötzlich legte sich der Lärm von den Straßen und die Sonne schien nicht mehr so hell. Stille. Luke schlich vorsichtig weiter und fand sich schon bald nicht mehr zurecht, da die Gasse immer enger wurde und immer mehr kleinere Seitenwege abzweigten die er lieber vermied. Sein Atem ging plötzlich stoßweise und unregelmäßig, das Pochen in seinem Kopf schien alles um ihn herum auszufüllen. Er spürte wie trocken sein Mund war und schluckte schwer ehe er mit der Zunge über die spröden Lippen fuhr.


Volchok stand an eine dunkle Wand gelehnt und presste die eine Hand gegen den Mund seiner sich währenden Geisel während er mit der anderen die Pistole fest umklammert hielt. Nur noch ein paar Schritte und der Junge würde direkt neben ihnen sein.
Marissa versuchte zu Schreien, sie schlug um sich wurde jedoch sogleich von einem kräftigen Arm zurückgehalten. Ein schwaches Winseln war das Einzige, was sie zustande brachte, doch es genügte um Lukes Aufmerksamkeit zu regen. Er sah sich suchend um, bis sein gehetzter Blick auf Feind und Freundin zur Ruhe kam.
„Es tut mir leid“, versicherte Volchok und meinte es nicht so. Ohne auch nur ein wenig zu zögern richtete er die Pistole auf den Störenfried.
Marissa schrie,
er drückte ab.

„Kaitlin?!“, Taylor zog Ryan bei der Hand in das Roberts-Anwesen. „Dr. Roberts?“, auch sie hatte es sich angewohnt ihn so zu nennen. „Scheint niemand dazusein“, die Tür fiel ins Schloss. Lächelnd legte sie die Arme um den Hals ihres Freundes und führte sein Gesicht zu ihrem heran. „Und dagegen habe ich eigentlich nichts“, flüsterte sie liebevoll und küsste ihn sanft und immer drängender.

Summer hob noch etwas verunsichert ihre kleine Reisetasche an, die kaum Gewicht zu haben schien, doch hatte sie genug für etwa zwei Tage darin verstaut. Sie konnte kaum fassen wo sie sich nun schließlich doch noch nach so langer Zeit befand und was noch auf sie zukommen würde. Vorfreude machte sich in ihr breit und schien sie von innen heraus zu wärmen. Plötzlich kamen ihr die anfänglichen Zweifel mehr als lächerlich vor, augenblicklich wünschte sie sich nichts sehnlicher als von Seth Cohen in die Arme genommen zu werden, an seine Brust gedrückt, geschützt und geborgen von seiner Liebe. Ein Lächeln huschte über ihr hübsches Gesicht, ihre braunen Augen blitzten zum ersten Mal seit langem unternehmungslustig auf.
Das Mädchen packte die Griffe ihrer Tasche noch ein wenig fester und verlies für ihre jetzigen Verhältnisse recht zuversichtlich den Flughafen von Orange County.

Sandy gab die Hoffnung nun nach stundenlanger Suche am Hafen langsam entgültig auf. Seufzend fuhr er sich mit der einen Hand über das Gesicht und schloss für einen Moment die Augen um sich eine kurze Zeit der Ruhe zu gönnen. Seine Füße fühlten sich taub und heiß an, als wäre er über glühende Kohlen gegangen und nicht über die hölzernen Stege, am liebsten hätte er sich die Kleider vom Leib gerissen und wäre ins kühle Nass gesprungen, Notfalls hätte er den teuren Designeranzug auch gleich anbehalten.
„Sandy?“
Mr. Cohen schlug überrascht beim klang der ihm vertrauten Stimme sofort die Augen auf. Ungläubig musterte er seinen Gegenüber und schüttelte mit einem fast spitzbübischen Grinsen den Kopf: „Jimmy Cooper."

 

Summer Roberts stand nun etwa schon eine halbe Stunde vor der Haustür des Cohen-Anwesens, den Arm mit der zu einer Faust geballten Hand hielt sie schon längst bereit, ihre kleine Reisetasche zog sie mit ihrem zugegeben nicht sehr beachtlichen Gewicht nach unten, denn obwohl sie nur wenig Gepäck mit sich führte, kam es ihr so vor, als hätte sie nie schwerer getragen. Sie atmete noch einmal tief durch und rang sich schließlich doch noch ein zaghaftes Klopfen ab, welches an Lautstärke zunahm, als keiner Anstalten machte ihr die Tür zu öffnen.
„Mrs. C?“, versuchte das Mädchen nun auf einen anderen Weg in das Haus zu gelangen. „Cohen?!“
Unsicher legte sie die Hand auf die Klinke und biss sich nervös wie sie war, auf die Unterlippe. Der plötzliche Schmerz schien sie aus ihrem tranceartigen Zustand zu befreien und sie drückte mehr oder weniger entschlossen die Tür auf, die wie gewohnt nicht abgesperrt jeden Besucher einließ.
Nun, da sie in dem ihr vertrauten Vorraum stand, stellte sie ihre Tasche an die Wand gleich neben der Tür und ging, wohl aus reiner Gewohnheit, in die cohensche Küche, ein Ort, der ihr unter anderem am meisten gefehlt hatte.

„Hallo?“, weiterhin schien das Haus wie ausgestorben, nur die kläglichen Überreste eines Bagles auf der marmornen Kücheninsel deuteten daraufhin, dass hier sich erst vor kurzem jemand einen kleinen Imbiss genehmigt hatte.
Auf eine eher merkwürdige Art und Weise fühlte Summer sich sogar ziemlich erleichtert, als ihr bewusst wurde, dass sie womöglich die einzige Person weit und breit war, denn nun, als sie hier stand, von den vielen Erinnerungen überflutet, muss sie sich eingestehen, dass ihr Mut sie langsam verließ und ihr Verlangen Seth zu finden in eine unbändige Angst überging, dass er nicht genauso fühlte.
Das Mädchen kehrte dem Zimmer wieder den Rücken zu und ging an dem silbernen Kühlschrank vorbei, durchquerte den anliegenden Raum und fand sich auch schon am Treppenanfang wieder, unsicher legte sie die eine Hand auf das hölzerne Geländer und starrte hinauf. Einer plötzlichen Eingebung folgend ließ sie ihren Blick durch das Zimmer schweifen und späte durch ein großes Fenster nach draußen, da sie sich an frühere Zeiten zurückerinnert fühlte. Doch die Sonne schien hell und warm von einem strahlendblauen Himmel und Seth Cohen hing nicht kopfüber vom Dach.
Der strömende Regen hatte nicht nur ihre Kleidung gänzlich durchnässt, auch ihr dunkles Haar hing feucht und schwer über ihren Schultern. „Cohen!?“, rief sie nach oben und trat nervös auf der Stelle.
Summer gab sich innerlich einen kräftigen Ruck und setzte den rechten Fuß auf die erste Treppe auf.
Das Mädchen lief einer rufenden Stimme folgend nach draußen und wurde sogleich wieder von prasselnden Tropfen eingefasst.
Sie schien unglaublich langsam voranzukommen, ihre Hand am Geländer zitterte leicht und sie packte fester zu.
„Summer?“, wunderte sich Cohen, der sich in einer sehr misslichen Lage zu befinden schien. Sie stand nun tatsächlich vor ihm und obwohl er kopfüber und mit der übergezogenen Spidermanmaske nicht sonderlich viel erkennen konnte, spürte er ihre Anwesenheit, wie warme Sonnenstrahlen die einen sanft aus dem Schlaf wecken.
Nun, da sie die Stufen hinter sich gelassen hatte, spürte sie, wie sich ein wärmendes Gefühl in ihr breit machte, es prickelte bis hin zu den Fingerspitzen und rauschte in ihren vor Aufregung glühenden Ohren.
„Oh mein Gott“, Summer betrachtete noch ein wenig fassungslos den vom Dach baumelnden Seth. Kühle Tropfen rannen ihr über den Nacken und doch spürte sie eine angenehme Hitze, die langsam von ihr Besitz ergriff.
„Was machst du denn hier?“, Cohen kam aus dem Wundern gar nicht mehr heraus.

Das einzige, was sie und das Zimmer voneinander trennte war die geschlossene Tür. Die Klinke fühlte sich kühl unter ihren schwitzenden Händen an. Sie wusste noch, wann sie das letzte mal ein solches Gefühl verspürt hatte, sie sah Seth vor sich, wie er ihr die Hand darbot und sie zu sich auf die Theke zog. Sie konnte es fühlen als wäre es erst gestern gewesen.
Summer musste unwillkürlich lächeln: „Na was wohl du – "
„EW!“, entfuhr es ihr, ehe sie sich noch zurückhalten konnte. „Anna?!“ Sie starrte fassungslos auf das blonde Mädchen, welches auf Seth Cohens Bett lag und noch vor kurzem ganz selig dort geschlafen hatte.
„Summer“, Stern setzte sich noch etwas verschlafen auf und legte Captain Oats, den sie in Händen hielt schnell zur Seite. „Was machst du denn hier?“
„Das gleiche wollte ich dich gerade fragen!“, Roberts schien irgendwas ziemlich zu stören.
Die weise Anna brauchte nur wenige Sekunden um zu erkennen, dass dieses „was“ ein „wer“ war. „Ich weiß wie das jetzt auf dich wirken muss-“, setzte sie hastig zu einer Erklärung an, doch weiter kam sie leider nicht, da Miss Satansbraten bereits aus dem Zimmer gestürzt war und nun lautstark die Treppe hinunterpolterte.

Seth war mehr als erstaunt, als er seine Mutter auf einem der Sessel des Flughafenwarteraums, in dem sich Menschen aller Altersklassen tummelten entdeckte, neben sich eine nicht allzu große Reisetasche. Er wandte noch mal den Blick ab und sah dann erneut hin: tatsächlich, Mum neben Reisetasche auf Stuhl. Noch etwas unsicher, was er denn nun tun sollte, ging Cohen, seinen Koffer auf Rädern hinter sich herziehend zu der ein wenig verloren wirkenden Frau: „Mum?“
„Oh“, Kirsten schreckte aus ihren Gedanken und blickte dann ungläubig zu ihrem Sohn auf. „Hey. - Setz dich doch“, sie deutete einladend auf den freien Platz neben sich und verschränkte anschließend wie abwartend die Hände im Schoß.
„Ich hätte dich bestimmt noch angerufen“, versuchte Seth sich schnell aus der verzwickten Lage herauszureden, was er besonders gut zu können glaubte. „Aber es war so was wie – ein Notfall.“
„Summer.“
„Jup.“
„Anna?“
„Ich wäre auch noch von selbst..“, er stockte, als ihn seine Mutter schmunzelnd und mit einem ziemlich ungläubigen Ausdruck in den blauen Augen ansah. „...wahrscheinlich...“ Der Blick wurde immer intensiver. „Anna hat mir den Rat gegeben“, entschied Cohen sich nun doch noch für einen anderen Satz, den er dieses Mal sogar zu Ende führte, Kiki konnte nur zustimmend nicken.

„Und was machst du hier?“, Seth war ziemlich erpicht darauf das Thema so schnell wie nur irgend möglich auf etwas anderes zu lenken. „Ich dacht du wärst schon längst weg?“ Dann runzelte er nachdenklich die Stirn: „Wo wolltest du denn überhaupt hin?“
„Flug verpasst“, entgegnete Kirsten vielleicht ein wenig zu knapp. „Wann musst du los?“ Kirsten überhörte ganz selbstverständlich Frage Nummer drei und lächelte als wäre nichts.

„Vor fünf Minuten.“
Mrs. Cohen nickte wieder und betrachtete dann nachdenklich Seth, der ihrem Blick hartnäckig auswich und sich lieber mit dem Henkel seines Koffers beschäftigte.

„Summer-“, Anna war ihrer „Freundin“ bereits durch das ganze Wohnzimmer gefolgt, mindestens zweimal hatte sie schon angedeutet sofort dieses „cohenverseuchte Haus“ auf dem schnellsten Wege wieder zu verlassen, doch bis jetzt war sie noch jedes Mal kurz vor der Tür abgedreht. Nun marschierte Summer mit riesigen Schritten an Stern vorbei zur Küche hin in der Ryan schon eine Weile etwas betreten in sein Milchglas starrte.
„Ich will nichts hören!“, keifte Miss Satansbraten und war damit voll und ganz in ihrem Element. „Wie lange geht das denn schon?“ Da kam ihr plötzlich die Erleuchtung: „Oh Gott, wie konnte ich nur so blöd sein! Der Abschlussball und die Sache mit der Brown...“ Sie erinnerte sich noch sehr gut an die rührselige Umarmung der Beiden und konnte einfach nicht vergessen, wie die zwei dann auch noch gemeinsam den Ball besucht hatten.
„Aber-“, Anna wirkte richtig verzweifelt, keine Weisheit der Welt würde gegen diese Eifersucht helfen. „Das haben wir doch schon längst geklärt!“ Nun wurde tatsächlich auch Stern richtig laut, nicht mehr länger konnte sie ihre Wut im Zaum halten. Hilfe? Hilfe?! Nie wieder würde sie etwas für jemanden tun, oder zumindest nicht ohne Bezahlung.
„Ähm“, Ryan räusperte sich kaum merklich, doch er zog fast sofort zwei zornfunkelnde Augenpaare auf sich. „Ich – ach nichts.“ Wann hatte er auch schon viel zu sagen?

 

„Seth“, eine ganze Weile schon, saßen Mutter und Sohn schweigend nebeneinander, nun getraute sich Kirsten doch noch etwas zu sagen, war Cohen stumm doch kaum zu ertragen, er wirkte sogar irgendwie richtig krank, wie er so dasaß, die Hände auf den Knien, die braunen Augen auf den Boden gerichtet, wo er schon einige Zeit damit beschäftigt war eine noch glühende Zigarette zu beobachten. „Es gibt da etwas...“
Seth sah fragend auf und in dem Moment, da sich ihre Blicke trafen, wusste Kirsten, dass sie es nicht tun konnte, dass sie es einfach nicht sagen konnte. Nicht hier. Nicht jetzt. Nervös geworden versuchte sie einen Ausweg aus dieser Situation, die sie sich selbst zu verdanken hatte zu finden, da betraten drei ihr nicht unbekannte Personen den Warteraum. Eine von ihnen, zwar ziemlich ungepflegt für ihre Verhältnisse, schien trotz ihres etwas wackeligen Ganges den ganzen Raum in sekundenschnelle auszufüllen und es bestand kein Zweifel, dass man ihr sofort jeden Wunsch von den Lippen ablesen würde.
„Julie?“, wunderte sich Kirsten und veranlasste somit ihren Sohn dazu, sich umzudrehen und ebenfalls einen Blick auf die Eingangstür zu werfen.
„Und Co.“, ergänzte er, wobei er sich auf eine verwirrt wirkende Kaitlin und deren Faststiefvater bezog. Dr. Roberts fuhr sich immer wieder mit der einen Hand über Gesicht und Haare, als könnte er aus irgendeiner Sache einfach keine Logik ziehen.
„Kiki!“, schallte es sogleich durch den ganzen Raum und Mrs. Cohen war sich ziemlich sicher, dass sie wusste, auf wen nun alle Blicke gerichtet waren, oder zumindest beinahe alle.
Sowohl Seth als auch seine Mutter waren ziemlich überrascht über Julies Überschwänglichkeit und besonders über ihr strahlendes Lächeln, das wie aufgemalt wirkte, eine Farbe, die einfach nicht wegzuwischen war.
Mrs. Cooper-Nichol eilte schon mal voraus, während der Rest der Neuankömmlinge, die beide etwas verdattert wirkten, langsam hinterherkamen. Kirsten erhob sich mit einem gezwungenen Lächeln auf den Lippen: „Schön dich mal wieder zu sehen.“ Tatsächlich konnte sie sich nicht erinnern, wann ihr letztes Zusammentreffen gewesen war, es schien eine Ewigkeit her zu sein. „Du siehst toll aus“, das war natürlich gelogen. „So“, Kiki betrachtete unsicher das zerzauste Haar ihrer Freundin. „So – nüchtern.“ Ihr Lächeln wurde breiter und noch ein wenig gezwungener: „Was machst du denn hier?“
„Es geht um Marissa“, plötzlich musste Julie aus vollem Halse lachen, als wäre ihr erst jetzt bewusst geworden, wie lange sie nur geweint hatte.
Seth und Kirsten starrten die Frau vor sich an, als wäre sie verrückt, doch Neil, der inzwischen zu ihnen aufgeschlossen hatte brachte Klarheit in die Sache.
„Sie lebt“, sagte er und es klang wie eine Frage, erneut fuhr er sich mit der einen Hand übers Gesicht und Kaitlin, die neben ihm stehen geblieben war brach fast sofort in Tränen aus.

Ryan hatte sein inzwischen leeres Milchglas bereits auf der Kücheninsel vor ihm abgestellt und saß nun auf einem der Sessel, während er fast schon ein wenig amüsiert den kleinen Zickenkrieg vor sich beobachtete.
„Ich habe sein Zimmer aufgeräumt!"
„Das ist doch tatsächlich eine der bescheuertsten Ausreden, die ich je gehört habe! Nein warte“, Summer tat als würde sie ihre Worte noch mal überdenken. „Es ist die Bescheuertste!“
In dem Moment mischte sich ein klingelnder Ton in die keifenden Stimmen, doch die Mädchen waren einfach viel zu laut, als dass der Junge sofort reagieren konnte.
„Und warum ist er dann gar nicht hier?!“, fuhr Anna nun schwerere Geschütze auf.
„Er hat wohl das kürzere Streichholz gezogen!“
„Was für ein Streichholz?!“
„Die Streichholznummer?“, erkundigte sich Ryan, der als Taylors Freund nur allzu gut bescheid wusste.
Sicher hätte er das jetzt nicht tun sollen und ganz sicher wären ihm die zwei Mädchen nun ohne zu zögern an den Hals gesprungen, doch in dem Moment, wo das Schicksal des Jungen bereits besiegelt zu sein schien, war die von Sandy aufgezeichnete Anrufbeantworterstimme zu hören: Wir sind zur Zeit nicht zu Hause. Versuch es später noch mal oder hinterlass einfach eine Nachricht nach dem Pieps.
Sogleich meldete sich eine ihnen nur allzu bekannte Stimme.
Ryan?
In sekundenschnelle herrschte Stille im Cohen-Haus als Julie Cooper-Nichol etwas zu sagen hatte.

Zurück in dem düsteren und sehr staubigen Zimmer, saß Marissa wieder auf ihrem Sessel und starrte schon seit geraumer Zeit auf den verdreckten Holzfußboden während sich ihre blauen Augen immer mehr mit Tränen füllten. Doch sie wollte auf keinen Fall Anzeichen von Schwäche offenbaren, nicht solange er im Haus war. Volchok stand an einem der fleckigen Fenster und zündete sich eine Zigarette an. Er nahm einen kräftigen Zug und blies dann den Rauch gegen die Scheibe.

 

„Was genau hat dich denn dazu bewegt ausgerechnet hier zu bleiben?“, Sandy schlenderte neben Jimmy her den hölzernen Steg zu seinem Segelboot entlang und sah seinen Freund grinsend an. „Doch nicht etwa eine junge alleinstehende Frau?“ Er zwinkerte seinem Freund breit grinsend zu.
Mr. Cooper, nur mit Badehose und weißem Hemd bekleidet rückte seine schwarzgetönte Sonnenbrille zurecht: „Ach weißt du-“ Setzte er zu einer Erklärung an, doch in dem Moment kam ein junges Mädchen aus der Kabine seines Bootes, welches die zwei Männer inzwischen erreicht hatten, sie konnte nicht älter als 15 sein. Ihr dunkelbraunes Haar fiel lang und glatt über ihre nackten Schultern, sie trug einen leuchtend grünen Bikini und in den Händen hielt sie ein Glas kühlen Eistee. „So ungefähr“, beendete Jimmy schließlich den begonnen Satz. „Darf ich vorstellen...“
„Kimberly Brown“, Sandy wusste es, er hatte es sicher schon zuvor geahnt, doch nun, da sie vor ihm stand, aus Fleisch und Blut und ihn aus braunen, warmen Augen betrachtete, da wusste er es, da viel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Kirsten verfolgte nachdenklich das ausgelassene Spiel ihres Sohnes, der sich sein geliebtes Plastikpferd genommen hatte und mit ihm in schnellem Galopp von dem einen Ende des cohenschen Gartens bis zum anderen lief. Jedes Mal, wenn er stolperte und auf dem Boden lag, lachte er nur fröhlich über seinen eigenen Fehler und rappelte sich wieder hoch und immer wenn das passierte, wollte Mrs. Cohen am liebsten aufspringen und ihm zur Hilfe eilen, doch sie wusste: wie oft ihr Sohn auch fiel, er würde es wieder bis ganz nach oben schaffen. Sie faltete die Hände auf ihrem Bauch und lehnte sich in ihrem hölzernen Stuhl zurück, nicht mehr lange, und ein großzügiger Pool würde diese Grünfläche verdrängen. In dem Moment tat ihr diese Entscheidung richtig leid und sie spielte auch kurz mit dem Gedanken es einfach so zu lassen wie es gerade eben war, perfekt. Überrascht drehte sich Mrs. Cohen halb um, als ihr Mann hinter sie trat und ihr die Hände sanft und warm auf die Schultern legte.
„Denkst du, wir machen das richtige?“, erkundigte sie sich besorgt.
„Schatz“, Sandy lächelte aufmunternd. „Wir sind in Kalifornien, wir brauchen ihn.“
„Ich rede nicht von dem Pool“, wiedersprach Kirsten sanft.

Sowohl Mr. Cooper als auch das Mädchen starrten den Pflichtverteidiger mehr als erstaunt an. Jimmy gelang es, als erster seine Fassung wiederzufinden: „Du kennst Kimmy?“

Taylor stand noch etwas unschlüssig, was sie denn nun tatsächlich tun sollte, vor dem Diner hinter der Pflanze, die sie zuvor schon als ihr persönliches, kleines Versteck genutzt hatte und beobachtete erneut den Franzosen, der inzwischen seine weniger gewordenen Bücher in Kartons verpackte und sich seinen Signierstift in die Brusttasche seines Hemdes steckte.
„Das ist doch lächerlich“, murmelte das Mädchen nur zu sich selbst und wandte sch entschieden ab um schnell das Weite zu suchen, doch es wollte einfach nicht so recht klappen.
„Taylor“, erklang plötzlich dicht hinter ihr eine ihr nur allzu vertraute Stimme. „Was für eine Überraschung!“
Noch ehe sich die Angesprochene nach dem Mann umdrehte, wusste sie, dass es ihr Mann war, der starke französische Akzent verriet ihn auf anhieb.

„Henry“, Taylor tat, als hätte sie niemals mit seiner Anwesenheit hier gerechnet und rang sich ein ziemlich gezwungenes Lächeln ab. „Was tust du denn hier?“
„Ich bin ein vielbeschäftigter Mann“, er war auch überhaupt nicht eingebildet. „Fans, wo ich nur hinkomme. Möchtest du vielleicht einen Kaffee?“
Oh Gott nein, alles nur das nicht. „Klar!“, Townsend nickte bekräftigend mit dem Kopf, was sollte sie auch sonst machen? – Sie saß in der Falle.

Anna warf Ryan, der im Flugzeug seinen Platz neben ihr hatte, immer wieder argwöhnische Blicke zu. Der Junge hatte seit Julies Anruf kein Wort mehr gesprochen, sicher, er war für seine Stummheit bekannt, jedoch fand er es auf der ganzen Fahrt zum Flugplatz und später dann auch bei der Platzzuteilung nicht für angebracht auch nur einmal den Mund aufzumachen. Sein Blick schien leer, traurig und nachdenklich starrte er aus dem Fenster und beobachtete die schneeweißen Wolkenfetzen die immer wieder daran vorbeizogen.
Auch von der anderen Person neben Stern konnte man nicht gerade behaupten, sie wäre der ideale Gesprächspartner. Kirsten saß unglaublich aufrecht in ihrem Sessel und hing ihren eigenen Gedanken nach, während sie nur halb Julies Redeschwall mitbekam. Auch Mrs. Cohens blaue Augen schienen nichts von ihrer Umgebung wirklich aufzunehmen, doch es war nicht Traurigkeit in ihnen zu erkennen, es war etwas anderes, etwas schmerzend Schönes.

 

Taylor nippte nervös an ihrem Kaffe und warf immer wieder vorsichtige Blicke in die Richtung ihres Gegenübers, ehe sie ihr Tasse auf dem kleinen, runden Tisch abstellte. Sie atmete tief durch, setzte sich gerade hin und versuchte alles auf die legendäre Townsend-Art zu regeln.
„Ich habe einen Freund“, wahrscheinlich war dies nicht unbedingt der perfekte einstieg für ein solches Gespräch und dem Mädchen wurde auch recht schnell bewusst, dass sie sich wie ein schmollendes Kleinkind anhören musste, doch bei dem Gedanken an Ryan spürte sie sofort, wie eine angenehme Wärme sie durchflutete und in dem Moment wusste sie, sie konnte einfach alles bewältigen, einfach alles. „Ja“, sie nickte bekräftigend. „Und ich liebe ihn.“
„Das ist schön.“
Taylor sah Henry erstaunt an und nahm nun einen kräftigeren Schluck von ihrem Getränk, was sie jedoch sofort bereute; der Kaffee war heiß, viel zu heiß. „Hast du sie unterschrieben?“, keuchte sie und versuchte gleichzeitig sich ihren kleinen Fehler nicht allzu sehr anmerken zu lassen.
„Hast du ihm davon erzählt, deinem Freund?“, fragte der Franzose wie beiläufig statt zu antworten, holte jedoch die gewünschten Formulare aus seiner ledernen Umhängetasche hervor und legte sie auf den Tisch.
„Hättest du sie mir nicht einfach zuschicken können?“, beschwerte sich Taylor und ignorierte damit die ihr gestellte Frage, sie nahm die Papiere an sich, als wären sie das wertvollste auf der ganzen Welt.
Doch Henry erhob sich einfach: „Du liebst ihn.“
„Allerdings.“
„Aber du hast es nicht für nötig gehalten ihm von deinem eigenen Ehemann zu erzählen.“
„Ex-“, wollte das Mädchen ihn sogleich entrüstet richtig stellen, aber der Franzose hörte sie schon nicht mehr. Verärgert sah sie ihm nach, wie er sich zwischen Menschen und Stühlen hindurchschlängelte und schüttelte ungläubig den Kopf. Doch mit jedem Schritt, den er sich weiter von ihr entfernte, mit jedem Sessel, der ihr immer mehr die Sicht nahm, schwand ihr Zorn und ging in Unsicherheit über. Kalte Angst legte sich um ihr Herz und plötzliche Panik drohte sie zu übermannen. War das zwischen Ryan Atwood und ihr Liebe, oder war es nur eine Illusion, etwas, dass sie sich von ganzem Herzen wünschte? Nicht mehr als eine schillernde Seifenblase, ein Traum.

Seth war sich ziemlich sicher den miserabelsten Platz erhalten zu haben. Rechts von ihm saß eine völlig aufgelöste Kaitlin, die leise vor sich hinwimmerte, die tröstenden Worte eines verzweifelten Dr.Roberts an ihrer Seite, schienen einfach nicht zu ihr durchzudringen, da es doch eigentlich gar nichts zum Aufmuntern gab und desto länger das Mädchen darüber nachdacht, wie verrückt es doch war, Tränen darüber zu vergießen, dass ihre Schwester vielleicht noch am Leben war, desto dicker liefen sie ihr über die Wangen und tropften von ihrem Kinn.
Seine andere Sitznachbarin war Summer Roberts. Cohen war sich ihrer überwältigenden Schönheit noch nie so bewusst gewesen wie in diesem Moment. Doch irgendwas musste er mal wieder verbockt haben, etwas, dass sie ihm einfach nicht verzeihen konnte, denn egal was er auch tat um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, alle Versuche schlugen fehl. Selbst als er sie zur Begrüßung etwas linkisch in die Arme genommen hatte, war es ihm nicht gerade so vorgekommen als würde sie ihn überhaupt bemerken. Noch einmal betrachtete sie der Junge etwas argwöhnisch und wandte sich dann in seinem Sitz um, da er hoffte sich mit Annas Hilfe, die schräg hinter ihm saß, mehr Klarheit zu verschaffen. Doch noch ehe er auch nur ein Wort hervorbringen konnte, schlug ihm Summer mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, auf den Oberarm.
„Ah“, protestierte Seth, der mit einem solchen Angriff einfach nicht gerechnet hatte und zog sogleich die Aufmerksamkeit aller auf sich. Die Hand an die betroffene Stelle haltend setzte er sich wieder zurecht. Und obwohl das Mädchen tat, als wäre nichts weiter vorgefallen, war der Sethman doch mehr als zufrieden, hatte sie ihn doch jetzt wieder auf ihrem „Radar“.

Die Tür des Cohen-Anwesens ließ sich ohne weiteres öffnen.

„Ryan?“, Taylor verspürte einen unheimlichen Drang zu reden, wobei sie sich natürlich im Klaren war, dass dieses Gespräch sehr einseitig verlaufen könnte. Da sie keine Antwort bekam, durchschritt sie den Vorraum und gelangte in das geräumige Wohnzimmer, als sie an dem kleinen Schrank vorbeikam, auf dem das Telefon stand, betätigte sie gewohnheitsgemäß den Knopf für verpasste Anrufe, als sie bemerkte, dass dieser rot blinkend auf eine neue Nachrichtig hinwies.
Ryan? Komm so schnell wie möglich zum Flughafen.
Es war ganz eindeutig Julie Cooper-Nichol und sie klang unglaublich aufgeregt, im Hintergrund waren die typischen Geräusche zu hören, die entstanden wenn unglaublich viele Menschen an einem Ort zusammentrafen. Offensichtlich rief sie bereits vom Warteraum her an.
Marissa lebt. Du wirst es wahrscheinlich nicht glauben, aber sie lebt!
Taylor machte auf ihrem Weg zur Küche sofort kehrt und näherte sich langsam dem Telefon, als wäre es ihr größter Feind und könnte sie jeden Moment anpringen und sich auf sie stürzen.
Sie ist in Portland. Luke hat sie gesehen. Beeil dich, Ryan!
Ende der Nachricht. Das Mädchen ließ sich langsam zu Boden gleiten und saß nun, den Kopf in die Hände gestützt da und versuchte ihre Gedanken zu ordnen, vergebens. Ende des Traums. Sie spürte, wie sie neuerlich von Panik überflutet wurde und wie sie die Kontrolle über sich verlor.
- Denn jede Seifenblase zerplatzt irgendwann -

 

Worum geht es?
"The OC alternative" schließt gleich nach der letzten Folge der 3. Staffel von "The OC" ('O.C., California') an. Dies ist eine Alternative zu der 4. Staffel. Es kann alles passieren.

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