Caught by the river

Rettungsanker


Es hatte Sandy nur wenig Zeit gekostet den beiden zu erklären, dass er Kimberlys Anwalt aus Newport war und dass er daher auch ein Bild von ihr besaß, weswegen er das Mädchen sofort identifizieren konnte – er konnte von Glück reden, dass die zwei es dabei beließen und nicht nach eben jenem Foto fragten, welches eigentlich gar nicht existierte. Was hätte er denn sonst sagen sollen? Wusste er doch nicht einmal selbst genau, wieso ihm auf Anhieb dieser Name im Kopf herumgespukt war.
Nun saß er mit Kimmy und Jimmy an Deck des großen Segelbootes auf hölzernen Klappstühlen und nippte nachdenklich an seinem Eistee während er Mr. Coopers Worten lauschte und zugleich immer wieder vorsichtig zu dem Mädchen schräg gegenüber von ihm hinübersah.
„.... und dann haben wir uns gedacht, wenn erst alles mit dem Testament so irgendwie geklappt hat, segeln wir los“, endete nun Jimmys kleiner Bericht.
Sandy, der erkannte, dass man ungeduldig auf einen Kommentar von seiner Seite wartete überspielte seine kleinen Unsicherheiten indem er erneut sein Glas an die Lippen führte und sich einen kleinen Schluck genehmigte, ehe er mehr oder weniger anerkennend meinte: „Und ihr wollt wirklich von hier aus bis nach Newport?“
Nun war es an Kimberly etwas zu der Unterhaltung beizutragen: „Nein!“ Sie lachte von einer plötzlichen Fröhlichkeit gepackt auf, ihre Stimme die eines Engels. „Ab San Diego geht es dann mit dem Auto weiter. Wir haben dort jemanden gefunden der uns das Boot abkauft.“
Da war dieses kleine Wörtchen „wir“, diese Vertrautheit, die Sandy dazu veranlasste fast augenblicklich etwas zu erwidern, denn er fürchtete die Kontrolle über sich zu verlieren, er hatte Angst, er würde in wenigen Sekunden vor ihr knien, sich auf den Boden werfen und sie bitten, sie anflehen. „Keine größere Segeltour mehr?“, versuchte er es stattdessen mit einem eher mickrigen Scherz.
„Wir haben uns gedacht, wir suchen uns ein nettes Haus in meiner alten Heimat“, erklärte Jimmy gutgelaunt.
Und da war es wieder „wir“, zweimal ein Stich mitten ins Herz.
Falls Sandy noch länger hier verweilen musste, konnte er sich nicht sicher sein je lebend dieses Boot zu verlassen. Er nahm einen weiteren, kräftigen Schluck und beobachtete fasziniert wie das Mädchen vor ihm sich durch das dunkle Haar fuhr und ihre braunen Augen liebevoll auf dem Mann neben ihr ruhten, eine Zuneigung, wie die eines Kindes für seinen Vater. Er hätte alles gegeben, sein Leben (seine Augenbrauen *g*) wenn er nur dieser eine Mensch sein könnte, den Kimberly Brown über alles liebte.
„Es ist das Richtige“, versicherte Sandy Cohen seiner Frau und wusste zugleich, dass er nie eine größere Lüge ausgesprochen hatte.

„Mrs. Cooper-Nichol“, begrüßte Inspektor Sharidon die wie ausgewechselte Frau, konnte sie sich doch noch allzu gut an ihr letztes Treffen erinnern, welches sie tränenüberströmt und der Verzweiflung nahe verlassen hatte. Julie lächelte fröhlich und winkte die anderen heran, die zugegeben etwas eingeschüchtert von soviel Freude waren, hatten sie doch noch mit nicht allzu erfreulichen Dingen zu kämpfen.
Kaitlins Tränen waren zwar versiegt, jedoch hatten sie ihre Spuren zurückgelassen. Ihre Augen waren stark gerötet und ihr hübsches Gesicht war fleckig und auch ein wenig geschwollen, doch sie hatte genug geweint, mehr als genug.
Neil stand direkt hinter dem Mädchen neben seiner Tochter, der er schützend den Arm um die Schultern gelegt hatte, da er spürte, dass sie etwas bedrückte und es machte ihn wahnsinnig nicht zu wissen um was es sich da handelte. Auch hatte Dr. Roberts ein wachsames Auge auf seine Verlobte geworfen, da er plötzliche Stimmungsschwankungen befürchtete und ihm diese Ausgelassenheit nicht allzu geheuer schien.
Seth stand zwischen Anna und Summer, eigentlich eher mehr bei Anna und konnte kaum glauben, was er da erfuhr: „Sie denkt doch nicht?“ Er flüsterte so leise wie nur irgend möglich und warf dann einen verunsicherten Blick Richtung Summer, die stur auf Kaitlins Rücken starrte.
„Leider doch“, versicherte Stern ein weiteres Mal. In genau diesem Moment zwängte sich ein Mann mittleren Alters, der es wohl ziemlich eilig zu haben schien an ihnen vorbei und das Mädchen hielt gespannt den Atem an, als Cohen einen Schritt zur Seite tat und seine Hand die ihre streifte. Augenblicklich schoss ihr die Röte ins Gesicht und sie wandte ein wenig nervös den Blick ab und es sah tatsächlich so aus, als würde sie sich plötzlich brennend für eine alte Zigarettenkippe interessieren, die sich in Warteräumen immer besonders für so eine Gelegenheit anboten.
Dann waren da auch noch Kirsten und Ryan. Die zwei standen neben einer großen, palmenartigen Pflanze und schwiegen sich mit voller Leidenschaft an.
Diese ganze kleine Szenerie spielte inmitten der lautstarken Menge Des Flughafenwarteraums. Mütter zogen ihre Kleinkinder an den Händen hinter sich her und achteten dabei kaum auf das eigentlich unüberhörbare Quengeln ihrer Sprösslinge. Männer in Anzügen rauschten vorbei, das Handy an das eine Ohr gedrückt oder damit beschäftigt ihre überfüllte Aktentasche zu schließen oder beides, was zugegeben auch des öfteren zu kleineren Unfällen führen konnte. Doch Inspektor Sharidon konnte sich trotz alledem Gehör verschaffen: „Es gibt da noch etwas, dass sie wissen müssen Mrs. Cooper-Nichol.“
Augenblicklich wurde Julies Gesicht starr vor Schreck, ihre Augen weiteten sich gefährlich, das Herz schlug ihr bis zum Hals, der ganze Saal schien verstummt. „Was ist – Marissa, geht es um Marissa?“, ihre Stimme zitterte bei diesen Worten bedenklich. Neil trat nach vorn, war auch schon bei seiner Verlobten und nahm die eine Hand, die sie kraftlos fallengelassen hatte. Anna blickte von ihrer Zigarettenkippe auf und warf einen besorgten Blick zu Ryan, dem man jedoch keine Reaktion ansehen konnte.
„Es geht um diesen Jungen“, Sharidon wurde bewusst, dass sie so schnell wie möglich Klarheit schaffen musste. „Luke Ward.“

Taylor hatte sich inzwischen mit Tränen in den Augen aufgerappelt und taumelte nun in die cohensche Küche, der Schmerz drohte sie zu übermannen, die Angst schnürte ihr die Kehle zu.
Marissa lebt und ich bin nur zweite Wahl.
Sie stütze sich an einem der Schränke ab, öffnete diesen und holte mit der freien Hand eine fast volle Flasche Tequila hervor.
Was Marissa kann, kann ich schon lange.

Sandy starrte auf sein inzwischen leeres Glas in seinen Händen, die Arme auf die Knie gestützt und leicht nach vorn gebeugt versuchte er, soweit dies möglich war, nicht allzu niedergeschlagen zu wirken. Doch mit der Fröhlichkeit der beiden hätte man selbst Ryan Atwoods Wortkargheit leicht übersehen.
„Ich denke, ich sollte mal nach dem Essen sehen“, meinte Jimmy schließlich, nachdem er eine weitere Geschichte zum besten gegeben hatte und bedeutete Kimberly mit einem frechen Grinsen sitzen zu bleiben, da sich diese ebenfalls erheben wollte. „Ich denke nicht, dass du ein so guter Umgang für mein Chili bist.“
Mr. Cohen sah erstaunt auf während sich Kimmy wieder niederließ und ihre schauspielerischen Fähigkeiten zum besten gab indem sie die Arme vor der Brust verschränkte und scheinbar gekränkt jeden Augenkontakt mit Mr. Cooper vermied.
Jimmys Grinsen wurde noch ein wenig breiter als er Sandys Blick bemerkte: „Sie ist keine so gute Köchin.“
„Schatz ich bitte dich, weg von dem Aufstrich!“
„Aber“, protestierte Kirsten und holte ein Messer aus der Schublade hervor. „Das ist nur ein Bagle.“
„Bitte“, Sandy kam am silbernen Kühlschrank vorbei zu seiner Frau und streckte wie schützend die Hände, mit den Handflächen nach vor sich aus. „Lass das Messer fallen und geh langsam drei Schritte zurück.“
„Sandy“, Mrs. Cohen blieb stur und rückte die Aufstrichpackung gefährlich nahe an sich heran. „Das ist doch lächerlich.“
„Du hast recht“, traf ihren Mann da die plötzliche Erkenntnis. „Machen wir vier daraus.“
„Entschuldigt, ich störe doch nicht?“
Das Ehepaar fuhr herum, als sie die Stimme ihres neuen Gastes vernahmen.
„Sarah“, Kirsten zauberte ein Lächeln auf ihr hübsches Gesicht, etwas, dass nur sie alleine in einer solchen Situation zustandebringen konnte. „Nein, überhaupt nicht.“

„Mr. Cohen?“
Sandy wurde erst jetzt bewusst, dass Kimberly, die mit ihm zurückgeblieben war ihm eine Frage gestellt zu haben schien. Er zog abwartend die dichten Brauen hoch: „Hm?“
„Wie ist das Leben in Newport so?“, erkundigte sich das Mädchen ein weiteres Mal mit einem geduldigen Lächeln auf den Lippen.
Sandy musste augenblicklich an seinen Sohn denken, der diese Frage ziemlich schnell mit einer erstaunlich langen Liste an Gründen beantwortet hätte warum man sich nicht gerade dahin begeben sollte. Auch fielen ihm die Newpsies ein, die einem nur allzu gut im Gedächtnis blieben und erinnerte sich unter anderem an seine Schwiegervater. Caleb Nichol war eine wirklich interessante Persönlichkeit gewesen, sehr interessant. Alles in allem hatte er keine Ahnung was er denn erwidern sollte, nun da diese braunen Augen neugierig auf ihn gerichtet waren, Augen, die ihm nur allzu vertraut schienen.
„Es ist“, er zögerte einen kurzen Moment. „Etwas ganz besonderes.“ Und das war keineswegs gelogen.

Trotz der hohen Besucherzahl, hatte Inspektor Sharidon es allen ermöglicht sich in dem mehr oder weniger geräumigen Krankenzimmer einzufinden. Die Wände waren in einem warmen Gelbton gestrichen, zwei große Fenster an der einen Seite ließen möglichst viel Sonnenlicht herein und gegenüber des Eingangs gab es eine weitere Tür, die wahrscheinlich der Zugang zu einem kleinen Bad war. Mr. Ward saß am Bett seines Sohnes auf einem etwas niedrigen Hocker und sah ihm aufmerksam dabei zu wie er schlief.
Kaitlin ließ sich von einer plötzlichen Müdigkeit übermannt auf einen höchst unbequemen Sessel an der freien Seite des Bettes nieder, legte den Kopf in den Nacken und schloss für einen kurzen Moment die Augen ehe sie den Rest der Neuankömmlinge mit prüfenden Blicken bedachte: „Wie lange denkt ihr, müssen wir es hier aushalten?“ Dem Ton ihrer Stimme war zu entnehmen, dass sie ganz und gar nicht damit einverstanden war, von Sharidon zurückgelassen worden zu sein. Sie tippte mit den Fingern der einen Hand in einem recht gleichmäßigen Takt auf die metallene Armlehne ihres Stuhls.
„Sie meinte, dass sie sich schon melden würde wenn sie Genaueres wissen“, auch Julie klang ein wenig verärgert bei diesen Worten, jedoch waren noch immer Spuren eines Lächelns zu sehen, zugegeben nicht mehr allzu breit und strahlend wie noch zuvor bei ihrer Ankunft.
Kirsten, die neben ihrer Freundin stand, spürte plötzlich das dringende Bedürfnis etwas tun zu können und gleichzeitig diesen Raum zu verlassen: „Wie wäre es mit etwas Kaffee?“
Zustimmendes Gemurmel war die Antwort, wobei Ryan nur stumm und nachdenklich auf den gefliesten Boden starrte und wohl gerade damit beschäftigt war die weißen Quadrate zu zählen.
Anna sah Mrs. Cohen mit einem nachdenklichen Ausdruck in den Augen an und fasste einen Entschluss: „Ich begleite sie Mrs. Cohen!“
Kirsten nickte zwar, schien jedoch nicht allzu erfreut über Gesellschaft zu sein, doch lächeln konnte sie so ziemlich in jeder Situation.
Stern ging vorbei an Seth, dem sie einen vielsagenden Blick zuwarf und hakte sich selbstbewusst bei Summer ein: „Summer hilft auch gerne, nicht wahr?“ Sie zog das andere Mädchen mit sanfter Gewalt mit sich. Ihr war natürlich bewusst, dass Roberts kein Ausweg mehr offen stand , und gelangte so zu der weißgestrichenen Tür.
Zwei Fliegen mit einer Klatsche.

Taylor taumelte den grauen Kiesweg entlang, wobei sie die Flasche Tequlia – sie hatte schon eine beachtliche Menge getrunken - in ihrer Hand kaum noch halten konnte. Sie stützte sich vorsichtig an einem der marmornen Steine ab und ließ sich daran langsam zu Boden sinken. Die winzigen Steinchen bohrten sich in ihre Handflächen, schwer atmend wurde ihr erst jetzt bewusst, wie lange doch die Strecke zu Fuß bis hierher gedauert hatte und doch war es nur wieder ein weiterer Abschnitt in ihrem Leben, das zugegeben nicht sonderlich lebenswert war.
Ich komme dich besuchen Marissa.
Townsend erhob sie mühsam und sah sich auf dem kleinen Friedhof mit seinen nicht allzu vielen Gräbern um.
Ich komme.

„Und“, Jimmy kam die drei Teller geschickt auf Armen und Händen balancierend wieder aus der kleinen Küche des Bootes. „Habt ihr euch gut unterhalten?“
Sandy wollte sich schon erheben um seinem Freund einen Teil der Arbeit abzunehmen, doch Kimmy kam ihm zuvor.
„Ich mach das schon“, Sarah lächelte der anderen aufmunternd zu und nahm ihr den schweren Topf aus den Händen.
„Oh“, Kirsten schreckte aus ihren Gedanken, zauberte jedoch fast sofort wieder ein freundliches Lächeln in ihr hübsches Gesicht. „Danke.“

Sandy ließ sich erneut auf den hölzernen Klappstuhl fallen der ihm nun schon eine ganze Weile als Sitzgelegenheit diente und nahm dankend den Teller, der ihm von dem Mädchen gereicht wurde.
„Wie laufen die Vorbereitungen für das Baby?“, erkundigte sich Sandy, eher aus Höflichkeit denn aus Interesse.
„Jake dreht schon halb durch“, Sarah lachte hell auf und schüttelte anschließend wie ungläubig den roten Lockenkopf. „Jeder einzelne Schrank...“
„...jede Schublade, die Stufen“, setzte Kirsten fast schon automatisch die Liste fort. „Die Kleine wird vor nichts sicher sein.“
Mrs. Brown nickte wissend, ihre blauen Augen funkelten erwartungsfroh bei dem winzigsten Gedanken an den zukünftigen Nachwuchs: „Wie geht es euch denn?“
„Dem Baby und mir?“, Mrs. Cohen legte augenblicklich die Hände schützend auf ihren leicht gerundeten Bauch. „Es könnte nicht besser sein.“

„Du bist ja heute so still“, bemerkte Jimmy, während er sich einen vollen Löffel in den Mund schob. „Ist alles in Ordnung?“
Ja, war es das? Mr. Cohen suchte in Kimberlys Bewegungen, an ihrer Art, etwas zu erkennen, das ihm Gewissheit verschaffen würde. In dem Moment sah das Mädchen auf und direkt in seine nach Erlösung suchenden Augen und – es kam so plötzlich, so unerwartet und doch schien es selbstverständlich – sie lächelte.
„Natürlich“, Sandy riss sich von diesem vertrauten Anblick, der sich ihm nun darbot los und richtete seine Aufmerksamkeit, so gut dies möglich war, wieder auf seinen Freund. „Ich bin Ok.“

„Nichts“, Seth legte frustriert auf und schob sein Handy in die Hosentasche. „Dad ist wohl vom Erdboden verschluckt worden.“
„Jimmy auch“, Julie seufzte schwer. „Keine Ahnung wo er steckt.“ Sie verschränkte frustriert die Arme vor der Brust und atmete scharf ein.
Ryan stand in einer Ecke und schwieg ziemlich hartnäckig während er nachdenklich seine Augen von einem zum anderen wandern ließ, bis er schließlich seinen traurigen Blick auf Neil ruhen ließ, der näher an seine Verlobte herangetreten war und sie vorsichtig mit einem Arm um ihre Taille an sich zog – Sehnsucht packte den Jungen, doch wusste er nicht genau nach wem.
„Luke?“, Mr. Ward sprang augenblicklich von seinem Platz am Bett seines Sohnes auf, als sich dessen Augenlieder kurz zu flattern schienen, wie die zarten Flügel eines Schmetterlings.

„Gibt es hier wirklich nur“, Summer warf einen fast schon angeekelten Blick auf den Automaten, welchen die drei nach scheinbar endloser Suche schließlich im Gang vor dem Warteraum gefunden hatten. „Dieses Ding da?“
Doch Anna zog ungerührt einen weiteren weißen Plastikbecher aus der Halterung und reichte ihn Kirsten, die bereits einen anderen in der rechten Hand hielt, und diesen mit der noch freien entgegennahm.
„Also“, Stern runzelte nachdenklich die Stirn und deutete dann abwechselnd auf die beiden bereits vollen Kaffeebehälter. „Ryan“, sie zeigte auf den linken und nickte dabei Roberts knapp zu. „Und -“
Doch Summer viel ihr augenblicklich ins Wort: „Für mich keinen.“ Sie verschränkte wie zur Untermalung ihrer Aussage die Arme vor der Brust und schob herausfordernd das Kinn nach vorn.
„Na gut“, Anna zuckte wie beiläufig mit den Schultern und fuhr fort, als wäre nichts weiter gewesen: „Mr. Ward hat bereits einen und ich möchte keinen....“
Dieses Mal war es an Kirsten sie zu unterbrechen, wenn auch ihre Stimme nur en leisen Flüstern war und es schien wie ein Wunder, dass sie dennoch erhört wurde: „Ich denke, ich bringe die hier mal rein.“ Sie versuchte ein schwaches Lächeln, welches ihr jedoch nicht so ganz gelingen wollte und wandte sich auch schon ab, da wurde sie noch einmal von Stern zurückgehalten. Erstaunt betrachtete Mrs. Cohen die wärmende Hand des Mädchens, die sich sanft auf ihren Arm legte und als sich ihre Blicke trafen, fragte sie sich im Stillen überrascht, wann sie nur so erwachsen geworden war.
„Mrs. Cohen.“ Und obwohl Anna nicht die geringste Ahnung hatte, was Kirsten so sehr bedrückte, wagte sie etwas, dass nicht jeder für selbstverständlich hielt, etwas wobei man sich eigentlich nie sicher sein konnte, doch eins wusste sie: es half; und so versprach sie ihr oder vielmehr wünschte sie dieser vom Leben gepeinigten Frau: „Es wird alles gut.“
„Bist du dir da so sicher?“, wurde Sandy von seiner Frau gefragt, während sie Sarah Brown von der Auffahrt aus beobachteten, wie sie langsam zurücksetzte, wendete und noch abschließend kurz hupte ehe sie davon fuhr.
„Nein“, gestand Mr. Cohen und sein Blick wurde traurig. „Das bin ich nicht.“

Kirsten nickte schwach, wandte den Blick ab und ging mit Tränen in den blauen Augen davon.
„Vier“, Anna tat als wäre nichts weiter, doch tief in ihrem Inneren spürte sie, wie sie sich dem Abgrund der Verzweiflung immer mehr näherte und sie war sich im Moment nicht sicher, ob sie doch einfach springen sollte, einfach immer tiefer fallen und darauf hoffen, dass jemand da unten sein würde, der einen auffängt. „Kaitlin, Julie -“
„Drei“, widersprach Summer fast sofort. „Seth und Kaffee?“ Sie schüttelte nachdrücklich den Kopf: „Einmal und nie wieder.“
Stern sah ihre Freundin, oder zumindest nahm sie an, dass sie so etwas Ähnliches war, von der Seite her ein wenig misstrauisch an, bevor sie über ihren eigenen Schatten sprang: „Also, du und Seth.“
„Ich denke nicht, dass dich das irgendetwas angeht“, fauchte Roberts und ihr Tonfall verlangte ganz eindeutig, dass man dieses Thema lieber ruhen lassen sollte.
Anna war weise genug um dies zu akzeptieren und einen großen Bogen um die Höhle des Löwen zu machen. „Und Marissa?“, wechselte Stern geschickte das Thema und drückte erneut auf den Knopf des Automaten, aus dem augenblicklich die üblichen Geräusche zu vernehmen waren, schon tropfte die braune Flüssigkeit erneut in einen leeren Becher.
„Ich weiß nicht was du meinst“, ließ Summer ein wenig zu lange mit der Antwort auf sich warten. Sie schien sich plötzlich brennend dafür zu interessieren, wie der dampfende Kaffeestrahl immer schmäler wurde bis nichts mehr als ein feiner Faden übriglieb.
Anna starrte die andere entgeistert an, ganz so, als wäre diese ziemlich sicher sehr verrückt: „Sie lebt.“
„Da wäre ich mir nicht so sicher“, entgegnete Roberts unterkühlt, ihre Stimme zitterte kaum merklich.
„Wie meinst du das?“
„Manchmal ist es besser nicht zu hohe Erwartungen an etwas oder an jemanden zu stellen“, sie nahm den nun vollen Becher und ersetzte ihn anschließend fast sofort wieder. „Man wird viel zu schnell enttäuscht.“

Luke lag in seinem Bett und war bemüht, nicht allzu viele ruckartige oder schnelle Bewegungen zu machen, da ihm der Schmerz tief in den Knochen saß und sich über seinen ganzen Körper gelegt zu haben schien. Jeder Versuch sich aufzurichten schlug fehl, zum einen da es bei einer solchen Tätigkeit sofort wie wild gegen seine Schläfen pochte und zum anderen hielten ihn die vorwurfsvollen Stimmen seiner Besucher zurück, die ihm sanft aber bestimmt zu verstehen gaben, dass er sich ausruhen müsse, dass es schon wieder werden würde. Doch im Grunde konnte der Junge nur ein eines denken: Marissa lebte und das letzte, dass er zu tun gedachte, war hier in diesem Krankenhaus zum Nichtstun verdonnert worden zu sein. Er beobachtete mit mäßigem Interesse die junge, etwas rundliche Krankenschwester, die gerade eben ihre Routineuntersuchungen eingestellt hatte in ihrer und nun zu ihrem silbernen Wägelchen ging, auf dem sich eine kleine, weiße Plastikbox befand. Ward legte den Kopf auf die andere Seite und betrachtete Kaitlin, die in dem einen Sessel saß, den Kopf auf die rechte Hand gestützt. Sie schlief, wie es schien, tatsächlich friedlich auf diesem ungemütlichen Möbel von der Müdigkeit und der Schwäche übermannt.
„Das haben wir in ihren Taschen gefunden“, die Krankenschwester überreichte dem Patienten die Box, nickte knapp, warf noch schnell aufmunternde Blicke in die Runde und ging dann, das Wägelchen vor sich herschiebend nach draußen.
Lukes blaue Augen wanderten von seinem Vater, an der anderes Seite seines Bettes zu Seth, der scheinbar gelangweilt in taktlicht aufeinander abgestimmten, fließenden Bewegungen nach vor und zurück wippte. Ward’s Blick streifte nur kurz Neil und Julie die sich die ganze Zeit über nicht vom Fleck bewegt hatten und heftete sich schließlich an Ryan, der in der Ecke schräg gegenüber stand und noch immer kein Wort gesprochen hatte.
Er öffnete vorsichtig die Box in seinen Händen und entnahm ihr seine Brieftasche, einen Bleistift und eine Serviette, die ziemlich mitgenommen zu sein schien und an einigen Stellen dunkle Flecken aufwies. Der Junge drehte Stirnrunzelnd diesen Fetzen in seinen Händen, doch ihm wollte einfach nicht einfallen, wie er nur in seine Taschen gelangt sein könnte. In dem Moment entdeckte er sie: zwei Worte, mit krakeliger Handschrift geschrieben, verschmiert und kaum lesbar, als wäre der Schreiber sehr in Eile gewesen.
„Strand“, las Luke laut vor, da ihn die Stille in diesem Raum zu sehr bedrückte, und zog die Brauen zusammen, ehe er das andere Wort entziffern konnte. „Hütte.“
Die anderen sahen ihn verständnislos an, Seth stand nun still da, keiner rührte sich, keiner bis auf Ryan Atwood, was niemanden mehr überraschte als ihn selbst. Mit drei, vielleicht vier großen Schritten war er auch schon beim Krankenbett und nahm die Serviette an sich. Er las die Nachricht wieder und wieder, starrte auf die einzelnen Buchstaben, strich darüber, blickte dann auf und direkt in die grün-blauen Augen von Julie Cooper-Nichol, die verständnislos und hoffnungsvoll zugleich auf ihm ruhten.
„Marissa“, es war nur ein Name, nur ein Wort, etwas, das eigentlich völlig belanglos sein müsste und dennoch: es war das erste Mal seit Julies Anruf bei den Cohens dass Ryan Atwood seine Stimme erhob und jeder einzelne in dem Zimmer hörte es und glaubte es ihm sofort.

Taylor spürte wie plötzlich jegliche Stärke sie zu verlassen schien, ihre Beine zitterten ihr Atem ging stoßweise und doch fühlte sie sich auf eine unbestimmte Art als würde sie schweben, ganz so als würde sie über allem stehen und auf sich selbst herabblicken, wie sie dastand, beim Grab von Marissa Cooper.
Ich hasse dich.
Sie stützte sich mit der freien Hand an dem marmornen Stein ab und hielt in der anderen die Flasche, in der kaum noch Tequlia zu erkennen war.
Was bildest du dir ein?
Plötzlich stand sie mit einem Ruck wieder aufrecht, das herz hämmerte fast schon schmerzend gegen ihre Brust, ihr Blick war verschwommen.
„Ich hasse dich!“, schrie sie in die Stille hinein, an niemandem sollten diese Worte vorbeigehen, für keinen sollten sie ungehört verhallen. „Ich hasse dich“, und nun war es nur noch eine leise Stimme, die Taylor kaum noch an die ihre erinnerte, zwischen jedem Wort eine Pause, ein Schluchzen, eine Träne die langsam ihre Wange hinunterrann, erste Anzeichen der Kapitulation. Sie ging zu Boden, sie kauerte auf dem schneeweißen Kies, die Flasche fiel neben ihr in einen schmalen Streifen Gras und blieb ganz, keine Scherben. Unwillkürlich zog sie diese Tatsache nur noch weiter hinunter, immer näher dem Abgrund. Glas blieb ganz – Marissa war am Leben.
Sie lag nun schon fast, die Hände um die Beine geschlungen, die Knie bis ans Kinn gedrückt, das Gesicht gebetet in weiß, die Flasche im Grünen.
Es schmerzte, ein unglaublicher, überwältigender Schmerz – denn anders als Anna hatte sie sich bereits entschieden:
Sie war gesprungen,
sie war gefallen und
sie war so hart unten aufgekommen,
dass es wehtat.
Verzweiflung, die einem die Kehle zuschnürte.

Einen erdrückenden Moment herrschte Stille in dem Krankenzimmer.
Eine Stille, in der Ryan die Serviette in seinen Händen zu falten begann.
Eine Stille in der Julie schon seit geraumer Zeit die eine Hand an den Mund gepresst hielt.
Eine Stille, die von Luke Ward durchbrochen wurde: „Es könnte Marissa sein.“ Sein Mund war trocken, seine mit Bedacht gewählten Worte kamen nur zögernd über seine Lippen.
Doch Ryan war sich noch nie zuvor einer Sache so sicher gewesen wie gerade jetzt, in diesem Krankenhaus, die Nachricht der Verlorengeglaubten in den schwitzenden Händen. „Sie ist es“, meinte er schlicht aber bestimmt und seine Aussage schien selbst die kleinsten Zweifel in diesem Raum zu verscheuchen und ließ nur noch Gewissheit zurück, oder den Wunsch zu glauben.
„Eine Hütte am Strand“, ließ sich nun Seth vernehmen, der an der Seite seiner Mutter stand, welche eben erst hinzugekommen war.
Kaitlin, aus ihrem Schlaf geschreckt, fuhr sich in einer verzweifelten Geste durch das lange, brünette Haar und betrachtete dabei von Besorgnis umgeben Julie Cooper-Nichol, deren beide Arme nun nutzlos und schwach herunterhingen.
„Davon gibt es viele“, seufzte Neil und schüttelte den Kopf, als wolle er den Gedanken an eine Niederlage so schnell wie möglich wieder loswerden.
„Aber, es gibt nur eine, die in Frage kommen würde“, es schien fast so, als würde Ward nur für sich selbst sprechen, seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, ganz so, als hätte er Angst davor, das falsche zu sagen und zu große Hoffnung in die Herzen seiner Mitmenschen zu sähen; doch jeder in diesem Raum hörte ihm zu, hing an seinen Lippen und nahm jedes einzelne Wort auf wie der trockene Schwamm das kühle Nass. „Die alte Hütte der Frosts.“
Cohen sah den Freund erstaunt an, erinnerte er sich doch nur zu gut an seinen Aufenthalt in Portland und an den alten Frost, der seine kleine Behausung, sehr zum Ärger seiner Frau, niemals verlassen würde: „Aber - “
„Nach dem Tod ihres Mannes, ist Mrs. Frost ausgezogen und hat sich eine kleine Wohnung gemietet“, fiel ihm Luke sofort ins Wort und richtete seine Aufmerksamkeit anschließend auf Ryan, der in einer abwartenden Haltung auf die gefaltete Serviette in seinen Händen starrte. „Die Hütte steht leer.“
Von einer plötzlichen Erleichterung gepaart mit unbändiger Furcht überrumpelt schluchzte Julie augenblicklich laut auf und versuchte zugleich verzweifelt ein etwas gezwungenes Lächeln zustande zu bekommen.
„Ich sage Sharidon bescheid“, faste Seth schnell einen Entschluss und verließ, als niemand einen Einwand vorzubringen hatte das Krankenzimmer.
Keiner schien sich zu wundern, keiner fragte nach, wieso er zu diesem Vorhaben den Raum verlassen musste.

Worum geht es?
"The OC alternative" schließt gleich nach der letzten Folge der 3. Staffel von "The OC" ('O.C., California') an. Dies ist eine Alternative zu der 4. Staffel. Es kann alles passieren.

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